Die Entwicklung der Rahmenmaterialien von Trek von 1976 bis heute
Innerhalb nur eines Jahrzehnts durchlief Trek mehr Materialveränderungen als in wahrscheinlich jedem anderen Zeitraum davor oder danach. Was fast ein Jahrhundert lang weitgehend unverändert geblieben war, erlebte plötzlich eine unheimliche Beschleunigung. Stahl wich Aluminium. Aluminium machte Platz für Carbon. Etablierte Konstruktionsverfahren wurden hinterfragt und neu gedacht. Der Fortschritt dieser Ära war das Ergebnis einer schnellen Folge bewusster, sich gegenseitig verstärkender Schritte.
Als Trek 1976 begann, wendete es dieselben grundlegenden Konstruktionstechniken an, die den Fahrradbau über mehr als 100 Jahre geprägt hatten: mit Stahlmuffen verbundene Stahlrohre, zusammengefügt durch Hartlöten. Die verschiedenen Fahrradmarken unterschieden sich vor allem darin, wie viel sie aus denselben Rohren und Muffen herausholen konnten, die allen Herstellern zur Verfügung standen.
Trek hatte tiefen Respekt vor dem Rahmenbauhandwerk. Gleichzeitig bestand das Unternehmen aus einer Gruppe von Tüftlern ohne eigene Geschichte, ohne Tradition und ohne Regeln, die neuen Ideen im Weg standen. Und als neue mögliche Rahmenmaterialien auftauchten, lautete die häufigste Reaktion schlicht: „Warum nicht?“ Und diese Mischung aus herausragender handwerklicher Expertise und fehlenden Einschränkungen führte zu einem außergewöhnlich innovativen Jahrzehnt der Materialentwicklung.
Wie Fortschritte im Rahmenbau schrittweise zu den Carbonrahmen von heute führten
Hartgelötete Stahlrahmen
Fast ein Jahrzehnt lang fertigte Trek ausschließlich Stahlrahmen mit Muffenverbindungen. Die Rohre waren alle rund, und Unterschiede zwischen den Modellen ergaben sich hauptsächlich aus den verwendeten Wandstärken, den metallurgischen Eigenschaften und der Rahmengeometrie. Das war traditionsreiche Handwerkskunst in einem noch jungen Unternehmen. Von geschmiedeten Stahlmuffen im Jahr 1976 ging Trek 1982 zu gegossenen Stahlmuffen über – ein Schritt, der im Jahr 1984 gegossenen Aluminiummuffen den Weg ebnete.
Der erste geklebte Aluminiumrahmen
Wenn Muffen aus Stahl gegossen werden konnten, warum dann nicht auch aus Aluminium? Und wenn man Aluminiummuffen gießen konnte, ließen sich diese dann vielleicht mit runden Aluminiumrohren verkleben? Diesen Frage wurde zwischen 1982 und 1984 in einem geheimen Entwicklungsprojekt nachgegangen, das einige seit langem akzeptierte Regeln des Rahmenbaus aufbrach. Trek war nicht der erste Hersteller, der mit verklebten Aluminiumkonstruktionen experimentierte, gehörte jedoch zu den ersten, die serienreife Rahmen produzierten, die das Fahrgefühl traditioneller Stahlräder erreichten – bei geringerem Gewicht und kontrollierbarerem Fertigungsprozess.
Der erste verklebte Carbonrahmen
Die Fähigkeit, gerade Aluminiumrohre mit gegossenen Aluminiummuffen zu verkleben, führte zur nächsten Frage: Ließen sich die drei Aluminiumrohre des Hauptrahmens durch Carbonrohre ersetzen?
Um diese Carbonrohre zu fertigen, wurden Carbonfaserlagen um einen Dorn gewickelt und nach dem Aushärten von dem Dorn entfernt. Das Ergebnis war ein gerades, rundes Carbonrohr, das, genau wie ein Metallrohr, auf Länge zugeschnitten und mit Muffen verklebt werden konnte.
Dieser Fertigungsprozess erzeugte Rohre, die leichter als Aluminium waren und ein komfortableres Fahrgefühl boten. Es war eine simple Veränderung mit einer großen Wirkung, die das Potenzial von Carbonfasern im Rahmenbau noch deutlicher aufzeigte.
Der erste Vollcarbonrahmen
Ermutigt von der hohen Fahrqualität der Rahmen mit drei Carbonrohren wandte sich Trek einem komplett neuen Fertigungsprozess zu: Statt die Carbonlagen um einen Dorn zu wickeln, legte man sie in Formen übereinander. In der Praxis überschritt dieser Ansatz jedoch die Grenzen der damals verfügbaren Technologie: Frühe Rahmen, die auf diese Weise geformt wurden, unterschieden sich stark in Layup-Konsistenz und Gewicht, und die einteiligen Monocoque-Formen waren zu groß, um die Qualität präzise kontrollieren zu können, was zu inkonsistenten Ergebnissen führte.
Dennoch markierte dieser Versuch einen wichtigen Schritt. Er zeigte auf, wozu Carbon in der Lage war – und woran es noch mangelte. Dieses Experiment motivierte Trek, diesen Prozess zu perfektionieren.
Siebenrohriger Carbonrahmen
Nachdem Trek erfolgreich mit Rahmen experimentierte, bei denen alle sieben Rohren (die drei Rohre des Hauptrahmens plus zwei Sitzstreben und zwei Kettenstreben) aus rundem Carbon gefertigt wurden, verschärfte sich der technologische Fokus. Trek hatte bewiesen, dass Carbon ein hervorragendes Material für sowohl Rohre als auch Streben war. Und das führte zur nächsten unausweichlichen Frage: Warum nicht auch die Muffen aus Carbon fertigen?
Der erste Rahmen aus OCLV Carbon
Gegen Ende der 1980er war der Fortschritt methodisch und bewusst vorangetrieben worden. Die einzigen Komponenten des Hauptrahmens, die noch nicht aus Carbon gefertigt wurden, waren Sitzrohrklemmung, Steuerrohr und Tretlagermuffe. Der endgültige Durchbruch kam mit der Möglichkeit, diese Teile mit den richtigen Materialien, den passenden Layups und mit präzise kontrolliertem Innen- und Außendruck zu formen und sie anschließend mit runden Carbonrohren und -streben zu verbinden.
Dieser Fertigungsansatz wurde zu OCLV Carbon. Und in diesem Moment wurde Carbon zu viel mehr als eine weitere Materialoption. Es wurde zu einer Revolution, die definierte, wie Trek in den nächsten Jahrzehnten Fahrräder bauen würde.